Vom Krankenhaus zum Europameister: So schaffte es Kämpfernatur Dirk Schwedes zurück an den Billardtisch

von Lukas Prießnitz am 6 Juni 2017 | 2 Kommentare

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Dirk Schwedes zu
ERIMA Regionalleiter Bayern Michael Wenczel, Dirk Schwedes und Junior Sports Business Manager Nils Pitsch (v.l.n.r.)

Ein Unfall, der alles veränderte: Nach einem Frontalzusammenstoß kämpft Dirk Schwedes um sein Leben – und doch hat der leidenschaftliche Billardspieler nur eines im Sinn: die bevorstehenden Europameisterschaften! Ein Traum, der ihn kämpfen ließ, obwohl sich alle Ärzte einig waren, dass Dirk nie wieder einen Queue eigenständig in den Händen hält, geschweige denn bei internationalen Turnieren antritt. Der von ERIMA ausgestattete 48-Jährige konnte sich dabei in seiner langen Laufbahn schon einige Titel sichern, darunter mehrfache Landesmeisterschaften. Diese Leidenschaft ließ ihn nicht aufgeben. Dirk kämpfte sich zurück ins Leben und konnte 2013 mit dem Europameistertitel in der Mannschaft seinen bisher größten Erfolg feiern. Wie er es zurück an den Billardtisch schaffte, was ihn motivierte, nicht aufzugeben und wie ihn diese schwere Zeit geprägt hat, erfahrt ihr in unserem Porträt.

Dirk Schwedes liebt den Billard-Sport. Das merkt man im Gespräch mit ihm sofort. Angefangen hat alles mit dem Derby zweier lokaler Billard-Teams, das Dirk als 9-Jähriger zufällig miterlebte. Die Stimmung um den Tisch herum und die Spannung des Spiels begeisterten ihn. „Das will ich später auch machen!“, sagte er zu seinem Vater und legte wenige Wochen später mit dem Training los.


Während er zunächst nur verschiedenste Übungen alleine spielte, folgte ein knappes Jahr später sein erster Wettkampf. Das war 1980. 2013 – 33 Jahre später – feierte Dirk mit dem deutschen Team den Europameistertitel. Doch dazu wäre es wegen eines verhängnisvollen Augenblicks im Sommer 2010 beinahe nicht gekommen.

 


Schwerer Schicksalsschlag durch Autounfall


Am 16. Juli 2010 stieß Dirk Schwedes im Auto unverschuldet frontal mit einem anderen PKW zusammen. Seine Lebensgefährtin und sein 1-jähriger Sohn wurden nur leicht verletzt, Dirks Leben allerdings hing am seidenen Faden. Er erlitt er schwerste Verletzungen am Bein, für ihn bedeutend schlimmer jedoch wurde ihm auch seine – für das Billard so wichtige – rechte Hand bis auf etwas Haut komplett abgetrennt.


Durch unbeschreibliches Glück war ein Rettungshubschrauber nach nur wenigen Minuten am Unfallort und brachte Dirk ins Krankenhaus. Dort angekommen setzte sich das Glück im Unglück fort. Dank einer Ärztekonferenz war ein Handspezialist vor Ort, der Dirks Hand in einer 11-stündigen Notoperation replantierte. Ein anderer Arzt flickte zeitgleich sein Bein wieder zusammen.

 


Die Ärzte sagten ihm, er würde nie wieder Billard spielen können


Nach einem dreiwöchigen künstlichen Koma, begann der lange Heilungsprozess für Dirk. Besonders schwer war für ihn, dass er dank eines Luftröhrenschnittes nicht sprechen konnte. Seine einzige Möglichkeit, sich zu verständigen, war eine Buchstabentafel, an der er mit seiner gesunden linken Hand jeden Buchstaben einzeln anzeigen musste.


Hinzu kam das Dirk kurz vor dem Unfall für die Billard-Europameisterschaft nominiert worden war. Aber statt vor Ort um Titel zu kämpfen, musste er die Wettkämpfe nun vom Krankenhausbett per Live-Stream verfolgen mit dem großen Traum, selbst wieder spielen zu können. Doch die Ärzte machten ihm keine Hoffnungen und waren sich sicher, dass er keine Chance hätte, je wieder Billard zu spielen.

 

Dirk Schwedes 2

Dirk Schwedes im Interview


Der lange Weg zurück an den Billardtisch


Doch Dirk setzte alles daran, den Ärzten das Gegenteil zu beweisen. Er wollte zeigen, dass er den Umständen trotzen und das Billardspielen wieder erlernen konnte. „Irgendwie muss es ja weitergehen.“, sagte er sich immer wieder. „Ich kann ja nicht einfach nur liegen bleiben.“ Aufgeben war für ihn einfach keine Option. Also arbeitete er täglich acht Stunden lang in der Reha. Nach und nach erlernte er dort das Gehen wieder und erlangte auch grobe motorische Fähigkeiten in seiner Hand zurück.


Besondere Kraft gaben ihm dabei seine beiden Söhne, seine Familie, sowie der große Zuspruch aus der Billard-Community. Neben Grußkarten und Genesungswünschen aus aller Welt, besuchten ihn Familie, Freunde, befreundete Spieler und Funktionäre in der Reha, trotz Anreisewegen von hunderten Kilometern. „Das war während der Reha-Phase sehr wichtig für mich und hat mir sehr viel Kraft gegeben. Ich wollte ihnen etwas zurückgeben und sie stolz machen. Also habe ich immer weiter gekämpft und nach und nach Fortschritte gemacht.“ Auch all seine Sponsoren standen hinter ihm und hielten an ihren Verträgen fest.

 


Nach dem schweren Schlag kommt der große Erfolg


An Weihnachten 2010 – bereits 5 Monate nach dem tragischen Unfall – stand Dirk wieder am Billardtisch. „Vor diesem Augenblick hatte ich große Angst. Was, wenn ich nicht mehr spielen konnte?“ Doch seine Ängste waren unbegründet. Dank einer Kombination aus Erfahrung und Konzentration auf seinen Unterarm statt seiner Hand schaffte es Dirk, seine durch den Unfall entstandenen Nachteile halbwegs auszugleichen.


Nun begann neben der Arbeit in der Reha auch wieder das Training am Billardtisch. Nachdem es für 2011 noch nicht ganz reichte, qualifizierte sich Dirk 2012 bereits wieder für die Deutsche Meisterschaft. Ein Jahr später folgte dann der größte Titel seiner Karriere: Zusammen mit der deutschen Senioren-Mannschaft gewann er 2013 die Europameisterschaft. Für seinen Mannschaftskapitän Frank Willner, der 2010 für Dirk nachnominiert wurde und damals den Titel gewann, und den Rest seines Teams war es eine Selbstverständlichkeit, dass Dirk den großen Pokal mit nach Hause nehmen durfte.

 


„Nur ein Sportler weiß, dass man immer weiter kämpfen muss“


Trotz der Erfolge ist für Dirk die Arbeit noch lange nicht vorbei. Auch heute noch unterzieht er sich zwei bis drei Mal die Woche Reha-Maßnahmen, um die erreichten Fortschritte weiterhin zu halten. Trifft man ihn heute allerdings zum ersten Mal, sieht man ihm auf den ersten Blick kein Handicap an – und das trotz der ursprünglich so schlechten Prognosen. „Meine Handfläche ist noch immer taub, auf der Außenseite der Hand habe ich aber ein wenig Gefühl. Die verbleibenden Schäden kann ich mittlerweile gut kompensieren und ganz gut damit leben. Und wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja mit viel Geduld und Training auch noch, die Motorik der Hand weiter zu verbessern“, zeigt sich Dirk weiterhin optimistisch.


Neben dem Training setzt sich Dirk dafür ein, dass sich auch die Jugend vom Sport begeistern lässt und selbst aktiv wird. „Den Antrieb, um solch einen Schicksalsschlag, wie ich ihn erlebte, zu überstehen, hat nur ein Sportler. Nur ein Sportler weiß, dass man immer weiter kämpfen muss.“ Allem voran unterstützt er dabei seinen Sohn Nicolas. Der inzwischen fast 8-Jährige steht seit Kurzem auch am Billardtisch und trainiert, um später einmal zu spielen wie sein Vater. Dirk hält das mit der Kamera für die Nachwelt fest und zeigt ihm Übungen – die gleichen Übungen, die Dirk vor fast 40 Jahren selbst absolviert hat.


Wir von ERIMA sind stolz darauf, einen so tollen Sportler und Menschen wie Dirk Schwedes unterstützen und auf seinem Weg begleiten zu dürfen. Dirk, wir wünschen dir alles Gute für deine Zukunft!


Hat euch Dirks Geschichte auch so berührt wie uns? Habt ihr schon ähnliche Situationen durchlebt? Was motiviert euch zu kämpfen? Teilt eure Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!

2 Kommentare

  • Geschrieben von Ama Pola , 16.07.2017 (vor 6 Monate)

    Sehr rührend. Ich sehe dich immer wieder und habe dich noch nie viel gefragt. Wie schade. Ich kann nur sagen : inspirierend und bewegend, deine Geschichte!

  • Geschrieben von Danny Sohn, 08.07.2017 (vor 7 Monate)

    Hallo Ihr Lieben, ich habe Dirk vor ca. 4 Jahren in der Arbeit kennengelernt. Er ist wahrlich ein Kaempfer und dazu ein unheimlich liebenswerter, hilfsbereiter Mensch. Lieber Dirk, Astrid und ich wuenschen Dir weiterhin alles Gute und viel Freude beim Billiardspielen :O) Liebe Gruesse, Danny und Astrid

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